Rael (auch Rhael oder Rael Amarael) ist eine Gestalt der Spiegellegenden, die vor allem in englischen Herrenhäusern weitergegeben wurde. Er gilt als Wesen, das hinter dem Glas wohnt, Wünsche hört und gegen einen Preis erfüllt.
Name und Varianten
Die Endung -el verweist auf hebräisch „Gott” und findet sich in Engelsnamen wie Michael oder Gabriel. Der Beiname Amarael wird in den Erzählungen als Teil einer Anrufung genannt. Seine Herkunft ist ungeklärt.
Manche deuten ihn als Verbindung aus lateinisch amare („lieben”) und der Engelsendung -el.
Erscheinung
Rael zeigt sich nur im Spiegel, nie im Raum. Berichte beschreiben zuerst Nebelschwaden, die das Spiegelbild einnehmen, dann eine männliche Gestalt mit ungewöhnlichen Augen.
Das Spiegelbild des Rufenden hört dabei auf, die Bewegungen des Menschen nachzuahmen.
Die Anrufung
Die Überlieferung nennt drei Elemente:
- einen alten Spiegel, dessen Rahmen oder Glas drei Kreise trägt,
- den ausgesprochenen Namen,
- dreimaliges Klopfen an das Glas.
Danach, heißt es, „antwortet” jemand.
Regeln der Legende
Die Erzählungen sind sich in einem Punkt einig: Rael gibt nichts umsonst. Er beantwortet nicht jede Frage. Die erste Antwort gilt als frei, spätere gewährt er nach Laune. Wer sich Liebe wünscht, erhält sie nicht aus dem Nichts, sondern verschoben.
Deutungen
Je nach Erzählung gilt Rael als Dschinn, Dämon oder gefallener Engel. Die Aussagen widersprechen sich, weil keine gemeinsame Quelle existiert.
Ein bekannter Fall
Besonders oft wird ein Vorfall in einem Landhaus in Surrey erzählt, bei dem ein Spiegel nach einer Anrufung in drei Teile zersprang.
Einordnung
Spiegel gelten in vielen Kulturen als Tor zu einer anderen Welt: vom verhängten Spiegel im Trauerhaus bis zur Legende „Bloody Mary”. Raels Geschichte reiht sich in diese Tradition ein. Auffällig ist, dass sie fast ausschließlich in Foren, Blogs und mündlichen Erzählungen auftaucht, nicht in Chroniken.











